Ilja Jaschin über den Besuch des Bundespräsidenten Christian Wulff in Russland


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yashin - Posted on 15 Oktober 2010

Ich war heute beim Auftritt des deutschen Präsidenten Christian Wulff in der Hochschule für Wirtschaft, der im Rahmen seines Staatsbesuches stattfand. Der ganze Saal war voll von Studenten. In der ersten Reihe - der russische Minister für Bildung Fursenko, die Abgeordneten-"Edinorossy" Klinzewitsch, Medwedew, irgendwelche Beamte.

Wulff geht auf die Tribüne und spricht 20 Minuten lang allgemeine Worte über die russisch-deutsche Partnerschaft im Hinblick auf die Modernisierung, über tiefe kulturelle Verbundenheit, über die Erhöhung des Warenumsatzes, über die Notwendigkeit des Studentenaustausches usw.

Hinter meinem Rücken flüstern Studenten.

- Hör mal, ich wusste ja gar nicht, dass es in Deutschland einen Präsidenten gibt.
- Dort ist er nominell. Tatsächlich regiert der Kanzler.
- Ah, also so wie bei uns?

Ich muss grinsen.


Währenddessen hat Christian Wulff seine Rede beendet und der Rektor der Schule schlägt vor, ihm Fragen aus dem Saal zu stellen.

Die munteren Pioniere sagen offensichtlich eingeübte Fragen auf deutscher Sprache auf. Die spitzeste Frage klang ungefähr so: "Herr Präsident, was denken Sie, unterscheidet sich die russische Jugend stark von der deutschen?".

Interessant, denke ich, fragt überhaupt irgendwer etwas ernstes? Zum Beispiel, was für eine Modernisierung zum Teufel, wenn im Land die Opposition von den Wahlen ausgeschlossen wird und Journalisten getötet werden?

Ich verstehe, dass niemand fragen wird. Ich strecke meine Hand hoch.

Links von mir zischt mir ein Fräulein zu, anscheinend aus der Administration.
"Was denn?", frage ich.
"Wieso hebst du die Hand?", fragt sie und macht große Augen.
"Ich will eine Frage stellen".
"Nimm die Hand runter. Du stehst nicht in der Liste".

... Der Bundespräsident fährt heute weiter nach Twer. Dort wird man ihm wahrscheinlich rotwangige rosane Babuschkas mit Piroggen zeigen.

Foto: RaiNews24

Dies ist eine Übersetzung des russischen Blogeintrags von Ilja Jaschin vom 2010-10-13 15:46:00 Moskauer Zeit.
Das Original finden Sie hier:
http://yashin.livejournal.com/966298.html
Übersetzt mit freundlicher Genehmigung von
Ilja Jaschin.